„Es war schwer zu verkraften“

 

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, dann sind auch die nächsten Angehörigen davon stark betroffen. Die 17-jährige Ines Feiertag erzählt, was sie erlebt hat, seit ihrer Großmutter diese Diagnose gestellt wurde.

Die Wahrheit war für mich schwer zu verkraften: Meine Oma hat Alzheimer. Es schossen so viele Fragen durch meinen Kopf: Warum ist sie so jung schon erkrankt? Wie lange dauert es noch, bis sie mich nicht mehr erkennt und beim Namen nennen kann? Warum passiert so etwas überhaupt? Dazu kam, dass ich am Anfang ihre Handlungen und ihr manchmal auch aggressives Verhalten nicht verstand. Das erste Anzeichen der Krankheit erkannte mein Großvater, ihr Ehemann: Meine Großmutter glaubte, obwohl es später Abend war, dass sie jetzt das Mittagessen kochen solle.

Als mehrere Tage vergingen, wurde auch uns, meinen Eltern und mir, klar, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Meine Mutter suchte daraufhin mit meiner Oma einen Neurologen auf. Der Schock nach der Diagnose saß tief: Sie hat Alzheimer. Ihr lustige, manchmal strenge Art wandelte sich, sie wurde auch aggressiv. Sie begann zum Beispiel, die Pflegerinnen zu beschimpfen, wenn ihr etwas nicht passte. Ich verstand sie mit der Zeit immer besser. Sie wollte nicht bemuttert oder bevormundet werden, und sie schämte sich. Sie wirkte von Tag zu Tag trauriger. Ihr liebstes Hobby, das Kochen und Backen, konnte sie nun nicht mehr ausüben. Ich erlebte die Symptome ihrer Krankheit hautnah mit. Wie sie anfing, ihr Sachen an den unglaublichsten Orten zu verstecken, wie Schmuck im Kinderzimmer oder wichtige Dokumente im Badezimmer-Schrank. Sie konnte die Uhr nicht mehr lesen und hatte kein Zeitge- fühl mehr. Dazu kam, dass meine Oma Phantomschmerzen bekam, wahrscheinliche eine Folge der vielen harten Arbeit, die sie in jungen Jahren verrichtete.

Für mich war und ist meine Großmutter noch immer mein größtes Vorbild. Sie kannte jede Telefonnummer und jeden Geburtstag in ihrer weitläufigen Verwandtschaft auswendig. Immerhin hat sie sieben Kinder zur Welt gebracht und großgezogen; dazu kommen heute 15 Enkel und vier Urenkel. Es gibt aber auch noch viele andere Familienmitglieder und sie hat einen großen Bekanntenkreis. Sie ist auch heute noch eine starke, lebensfrohe Frau, auch wenn sie an Alzheimer leidet und im Rollstuhl sitzt. Und auch wenn es schwer für alle war und ist: Wir unterstützen sie und meinen Opa. Ein Lächeln von ihr bedeutet mir so viel. Ines Feiertag

 

Pflegende Angehörige

  • Urlaubsaktion für pflegende Angehörige. Das Land NÖ gewährt seit zehn Jahren einen Zuschuss, wenn pflegende Angehörige einen Urlaub nehmen wollen. Dieser Zu- schuss wurde für heuer angehoben: von 100 auf 140 Euro für einen Urlaub in Österreich und von 120 auf 180 Euro, wenn die Urlaubsdestination in Niederösterreich liegt. Gefördert werden Personen, die Pflegebedürftige, die mindestens Pflege- geld der Stufe 3 beziehen, als Hauptpflege- person betreuen. Ziel ist es, pflegende Fa- milienmitglieder zu bestärken, auch an das eigene Wohlbefinden zu denken. Über Möglichkeiten der Pflege von Pflegebedürftigen während der Zeit des Urlaubs gibt die Pflegehotline des Landes NÖ un- ter Tel. 02742/9005-9095 Auskunft.
  • Urlaub mit Alzheimer-Patienten. Der Verein MAS Alzheimerhilfe organisiert seit 16 Jahren Erholungsurlaube in Bad Ischl für Paare, bei denen ein Partner an Alzheimer erkrankt ist. Die Paare werden individuell und professionell betreut. Ziele sind Entlastung der pflegenden Angehörigen und Förderung der Betroffenen. Nähere Infos bei Katharina Muhr, Tel. 06132/ 21410-12, www.alzheimerurlaub.at.