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Erasmus und seine Bibelübersetzung

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Er war ein Zeitgenosse und Ordensbruder von Martin Luther und gilt als einer der ersten ganz großen Gelehrten der Neuzeit: Erasmus von Rotterdam. Mit seiner lateinischen Bibel von 1516 trug er auch wesentlich zu Luthers Bibelübersetzung bei.

Vor 500 Jahren gab der 1466 geborene Humanist Erasmus von Rotterdam eine lateinische Bibeübersetzung heraus, die eine Überarbeitung der seit Jahrhunderten gebräuchlichen „Vulgata“ des heiligen Hieronymus darstellte. Dazu verglich Erasmus mehrere griechische Textfassungen. Das von Johann Frobel in Basel gedruckte Werkt stellt in zwei Spalten einen bereinigten griechischen Text einer lateinischen Neuübersetzung gegenüber. Der zweite Teil der Bibel enthält einen Kommentar mit alternativen Übersetzungen, von denen einige aus theologischer Sicht äußerst umstritten waren.
Die Erasmus-Bibel war damit die erste verfügbare gedruckte Ausgabe des griechi­schen Neuen Testaments. Autor und Verleger sicherten sich ein Reichsprivileg, das auf vier Jahre jede andere griechische Bibelausgabe im gesamten Heiligen Römischen Reich untersagte. Eine bereits 1514 in Alcala (Spanien) gedruckte mehrsprachige Bibel kam so erst 1522 in Umlauf.
Völlig neuartig war die Erasmus’ Methode freilich nicht. Die bekannteste derartige Gegenüberstellung stammt vom Kirchenschriftsteller Origenes († 254) und wird wegen ihrer sechs Spalten „Hexapla“ („die Sechsfache“) genannt. Ab dem zweiten Jahrhundert entstanden zahlreiche lateinische Bibelübersetzungen. Sie wurden notwendig, weil immer weniger Christen im Westteil des Römischen Reiches die griechische Sprache verstanden. Es handelte sich also um Übersetzungen in die Muttersprache. Nichts anderes bezweckte Hieronymus, denn, so der Kirchenlehrer, „die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen“.
Im Jahr 382 begann Hieronymus im Auftrag von Papst Damasus II. mit der Übersetzung der „Vulgata“, die eine echte „Volksbibel“ werden sollte. Es dauerte jedoch Jahrhunderte, bis sie diesen Rang auch tatsächlich inne hatte. Dann wurde sie zur verpflichtenden Ausgabe – mit allen Nachteilen. So waren die verschiedenen in Umlauf befindlichen Übersetzungen im Lauf der Zeit mehr oder weniger stark „eingekreuzt“ worden. Im 9. Jahrhundert wurde unter der Leitung Alkuins vom Kloster St. Martin in Tours aus das ganze Reich Karls des Großen mit normativen Abschriften der Vulgata beliefert.

Posthum auf den „Index“ gesetzt

Mit einer neuen lateinischen Übersetzung musste Erasmus die Aufmerksamkeit des Heiligen Offiziums erregen. Das Konzil von Trient setzte Werke wegen kirchenkritischer Inhalte posthum auf den Index und erklärte die Vulgata für authentisch. Einziges Zugeständnis war die Veranlassung einer überarbeiteten, möglichst fehlerfreien offiziellen lateinischen Bibel.
Tatsächlich stand Erasmus den Gedanken der Reformatoren anfangs offen gegenüber. Er konnte aber die harte Linie Luthers gegen das Papsttum nicht mitvollziehen, setzte sich für innere Reformen der Kirche ein und bat Luther in einem Brief um Mäßigung – was wiederum Luther als Verrat empfand. 1524 besiegelte Erasmus den Bruch mit Luther in der Schrift „De libero arbitrio“ („Vom freien Willen“).
Doch ausgerechnet die lateinische Erasmus-Bibel fiel bei Luther und den Reformatoren auf fruchtbaren Boden. Deren größtes Interesse galt einer genauen lateinischen Bibelübersetzung, auf deren Basis dann erst die Übersetzungen in die jeweiligen Landessprachen erfolgen sollten. Latein war damals noch europaweit die Sprache der Gelehrten und erst recht der Theologen – auf durchaus hohem Niveau.
Schon vor Luther gab es Übersetzungen einzelner Teile der Bibel ins Deutsche. Zur Bibelübersetzung wurde der Reformator erst in seinem Exil auf der Wartburg angeregt. Im September 1522 übersetzte er in nur drei Wochen das Neue Testament, ein Werk aus einem Guss also. 1534, zwei Jahre vor seinem Tod, hatte er auch das Alte Testament vollendet. Luthers deutsche Bibel fand auch deswegen weite Verbreitung, weil sie sich der Wettiner Kanzleisprache bediente und darum fast im ganzen deutschen Sprachgebiet allgemein verständlich war.
Katholische Übersetzungen dieser Zeit lehnten sich wiederum weitgehend an Luther an, um ihn an entscheidenden Punkten zu korrigieren. Vor allem aber die Methode Erasmus’ hat die biblische Forschung der kommenden Jahrhunderte geprägt. Vergleichende Quellenkritik ist bis heute ein grundlegender Bestandteil der exegetischen Wissenschaft.    schl

 

Reformation und Bibel            

Der „Thesenanschlag“ Luthers am 31. Oktober 1517 gilt als Beginn der Reformation. Eines der Prinzipien Luthers lautet: „Sola scriptura“ – „allein durch die (Heilige) Schrift“ wird die Heilsbotschaft hinreichend vermittelt, nach katholischer Lehre kommt die Glaubensüberlieferung (Tradition) als entscheidendes Moment hinzu.