Eine Jugendgruppe leiten lernen

Andreas Führer

Die Diözese St. Pölten bietet jungen Menschen ab 18 Jahren die Möglichkeit, sich berufsbegleitend zum/zur kirchlichen Jugendleiter/in ausbilden zu lassen.

Jugendleiterinnen und Jugendleiter in der Diözese St. Pölten sind, neben anderen haupt- und ehrenamtlich in der Pastoral tätigen Personen, Stütze und Träger der kirchlichen Jugendarbeit. Als Seelsorger sind sie von der Kirche offiziell beauftragt und gesendet, junge Menschen zu begleiten, ihnen Orientierung zu geben, den Glauben der Jugendlichen zu stärken, neue Jugendgruppen aufzubauen oder ehrenamtliches Engagement zu unterstützen. Die Diözese bietet jungen Menschen ab 18 Jahren ab September wieder die Möglichkeit, sich als Jugendleiter ausbilden zu lassen. In „Kirche bunt“ sprechen Magdalena Ganster, die in der Region St. Pölten, und Thomas Heigl, der in der Region Erlauftal als Jugendleiter tätig sind, über ihre Aufgaben, Herausforderungen und was ihnen besonders gut an ihrer Arbeit gefällt.

Frage: Warum bist du Jugendleiterin bzw. Jugendleiter geworden?
Magdalena Ganster: Ich liebe die Gemeinschaft in der Kirche, ich kann gut mit Menschen über den Glauben reden und über das, was sie beschäftigt, und ich höre gerne zu. Meine Begeisterung von Gott will ich auch mit anderen leben. Zwei Menschen sprachen mich nach meiner Ausbilung zur Kindergartenpädagogin unabhängig voneinander an, ob ich Pastoralassistentin werden will. Schnell stand für mich fest: Es ist genau das, was ich arbeiten möchte. Im Seminar für kirchliche Berufe in Wien absolvierte ich die Ausbildung zur Pastoralassistentin und Jugendleiterin, es folgte ein Praktikum in der Pfarre St. Pölten-Stattersdorf-Harland. Ich will mich nun ganz auf die Arbeit mit Jugendlichen konzentrieren. Als Pastoralassistentin kann ich auch später noch tätig sein.
Thomas Heigl: Ich war schon immer gerne in der Katholischen Jugend meiner Heimatpfarre Steinakirchen dabei. Unsere damalige Pastoralassistentin machte mir den Beruf des Jugendleiters schmackhaft – eigentlich hatte ich früher nie mit dem Gedanken gespielt, in der Kirche zu arbeiten. Mittlerweile bin ich bereits das fünfte Jahr als Jugendleiter aktiv und habe in dieser Tätigkeit meine Leidenschaft, meine Berufung gefunden und zum Beruf machen können.

Frage: Was sind die größten Herausforderungen und was die Highlights in deiner Arbeit?
Magdalena Ganster: Eine Herausforderung ist, sich Verbündete zu suchen und ein Team aufzubauen. Als Jugendleiterin ist man alleine in einer Region eingesetzt und initiiert viele Veranstaltungen und Aktionen selber, was herausfordernd, aber auch eine Chance ist.
Ein Highlight ist für mich, wenn ein Jugendlicher mit mir einen Termin vereinbart, um einfach nur zu reden. Oder eine Jugendliche, die nach dem Firmgottesdienst zu ihren Eltern sagt: „Kann Magdalena noch mit uns feiern?“ Auch ein Open-Air-Jugendgottesdienst beim St. Pöltner Dom, wo gemeinsam Glaube gelebt wird, gibt mir viel Kraft. Der Sommer ist für mich ebenso ein Highlight: Man ist gemeinsam unterwegs, spricht über Gott und die Welt, lebt bei Sommerwochen und Reisen den Alltag miteinander, hat viel Spaß und auch tiefgründige Gespräche. Ich fahre heuer im Sommer mit Jugendlichen zum Weltjugendtag nach Krakau und werde auch bei der Kinderbibelwoche dabei sein.
Thomas Heigl: Jugendliche sind tagsüber in der Schule oder in der Arbeit. Das heißt, man muss zeitlich flexibel sein, um mit ihnen in Kontakt treten zu können. Ich arbeite deshalb viel am Abend und am Wochenende. Eine weitere Herausforderung ist es, die Bedürfnisse der Jugendlichen zu erkennen. Es ist wichtig, die Jugendlichen selbst in den Vordergrund zu stellen und nicht etwa Veranstaltungen.
Ein Highlight ist es für mich immer dann, wenn sich Jugendliche wohlfühlen, wenn ich sie zum Christsein begeistern kann. Da spüre ich etwas, das mich trägt. Das sind zum Teil direkte Rückmeldungen, wie etwa „Die Veranstaltung war so cool!“ oder leuchtende Gesichter bei der Heimfahrt von Taizé, wo die Jugendlichen ein neues Gefühl von Gemeinschaft erfahren durften. Erst kürzlich war ich bei der Aktion „Offenes Ohr“ in der Tullner Innenstadt als Zuhörer dabei, wo sich eine Vielzahl motivierender Gespräche und viele positive Rückmeldungen ergaben. Ich freue mich im Sommer auf den Weltjugendtag in Krakau, wenn die Vielfalt des christlichen Glaubens spürbar wird.