Eine Frau kann auf viele Arten Mutter sein

Frau Haiden und ihre Enkeltochter

Am Muttertag steht eine ganz einzigartige Beziehung im Mittelpunkt: die zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Formen von Mütterlichkeit. „Kirche bunt“ hat mit verschiedenen Müttern gesprochen: Groß- und Schwiegermutter, Mutter einer Großfamilie, Pflege- und Adoptivmutter sowie mit einer Tagesmutter.

Mütterlichkeit kann auf verschiedenste Weise gelebt werden und eine Frau wird und kann im Laufe des Lebens verschiedene Rollen einnehmen, die ebenfalls mütterliche Facetten haben. Der Muttertag ist vielleicht eine gute Gelegenheit, auch an diese Mütter zu denken.

Die Großmutter: „Eine zweite Chance“


Anna Haiden (81) aus St. Veit an der Gölsen ist Großmutter einer 21-jährigen Enkelin: „Ich empfand das Großmutter-Sein als zweite Chance im Umgang mit so einem winzigen Menschenkind. Bei meinen zwei Kindern stand ich mitten im Arbeitsleben, schwierigen Familienverhältnissen, eigenen Wünschen und Sehnsüchten. Als meine Enkelin Alexandra völlig unerwartet in mein Leben kam – empfand ich unendliche Liebe und Dankbarkeit. Sie war ein Überraschungsbaby, denn es sah nicht danach aus, dass meine Tochter ein Kind bekommen kann. Plötzlich hat sich die Ale­xandra angemeldet und niemand war auf das Kind eingestellt. Ich war sehr engagiert und hatte viele Ämter inne, aber für meine Enkelin habe ich alles zurückgestellt und war zehn Jahre voll für das Kind da. So ein kleines Wesen ins Leben begleiten zu dürfen ist eine wahre Gnade. Alexandra ist so ein liebes und tüchtiges Mädchen geworden – sie ist mein ganzer Stolz!“


Die Schwiegermutter: „Ein Kind auf anderer Ebene“

Edith Habsburg-Lothringen hat sechs Schwiegerkinder: „Ich habe nie gedacht: Um Gottes Willen, jetzt wird mir meine Tochter bzw. mein Sohn genommen – für mich war es ganz natürlich, dass wir eine Schwiegertochter bzw. -sohn dazu bekommen. Es ist ganz verschieden, wie meine Schwiegerkinder mit mir umgehen: Manche nennen mich Mutti, andere rufen mich beim Vornamen und ein Schwiegersohn nennt mich einfach Schwiegermutter – aber das finde ich völlig in Ordnung. Für mich ist ein Schwiegerkind wie ein Kind – nur auf einer anderen Ebe­ne. Man lernt Schwiegerkinder ja erst später kennen. Wenn er oder sie in die Familie gekommen ist, habe ich mir Gedanken gemacht: Wie kann er oder sie in die Familie hineinwachsen? Ich muss mich manchmal schon sehr zurücknehmen, in puncto Kindererziehung und so weiter.“

Die Großfamilie: Viel Arbeit, viel Freude


Magdalena Niklas (62) aus Marbach bei Wieselburg ist Mutter von acht Kindern:
„Mein Mann und ich haben eigentlich nicht geplant, dass wir acht Kinder bekommen, aber jedes Kind war willkommen. Im Rückblick sehe ich, dass ich viel Arbeit hatte; neben Kochen, Waschen und Nähen blieb keine Zeit und kein Geld für eigene Bedürfnisse. Als die Kinder klein waren, ist mir das nicht aufgefallen; es war eben so. Respekt vor den Entscheidungen der Kinder, die nicht immer meine gewesen wären, habe ich gelernt. Ich habe erkannt, dass ich sie darin bestärken muss, auf ihr Gewissen zu hören. Ich kann aber von meinen Kindern auch einiges lernen. Heute sind vier meiner Töchter Kindergärtnerinnen, und wenn ich sehe, wie sie Kinder erziehen und mit ihnen umgehen, da habe ich noch viel dazu gelernt.“

Die Pflegemutter: „Wir wollen Sicherheit geben“

Monika F. ist Pflegemutter der 15-jäh­rigen Lisa* und hat zusätzlich zwei leibliche Kinder:
„Pflegemutter zu sein bedeutet für mich, meiner Pflegetochter Lisa Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und Halt zu geben. In den ersten Jahren waren wir unsicher, ob sie bei uns bleibt oder wieder zurück gehen kann zur leiblichen Mutter, was für mich und meinen Mann natürlich einen großen Abschiedsschmerz mit sich bringen wür­de. Wir haben stets gehofft, für immer für Lisa sorgen zu dürfen.
Nach mittlerweile 15 Jahren stellt sich die Frage nun nicht mehr. Lisa hat sporadisch Kontakt zu ihrer „Bauch-Mama“, die ihr auf ihre Weise gibt, was ihr möglich ist. Wir hoffen auch, dass sie es schafft, ein geordnetes und stabiles Leben zu führen.
Die Geburt und die neun Monate Schwangerschaft fehlen in meiner Beziehung zu Lisa. Umgekehrt lassen ihre Bindung und ihre Sehnsucht nach ihrer Mutter auch Gefühle wie Eifersucht in mir aufkommen. Schnell wird mir aber bewusst, dass ihre Gefühle ganz natürlich und in Ordnung sind.
Ein Außenstehender merkt nicht, dass Lisa nicht meine leibliche Tochter ist. Rein äußerlich schauen wir uns sogar ähnlich. Wir führen eine Mutter-Tochter-Beziehung mit allem, was Mütter und Töchter miteinander erleben – Freude, Spaß, Konflikte, Shoppen gehen, Englisch-Vokabel prüfen…“

Die Adoptivmutter: „Tiefe Beziehung zur Tochter“


Irene Richter (54) aus Gerersdorf adop­tierte mit ihrem Mann im Jahr 1989 über den Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe aus dem Haus in Delhi ein knapp sechs Monate altes indisches Baby – Melina Teresa:
„Mutter-Sein, genau genommen Adoptivmutter-Sein bedeutet für mich von Anfang an in erster Linie eine ganz tiefe Beziehung zu meiner Tochter Melina zu leben.
Das war auch gleich einmal die größte Herausforderung, da ja diese Beziehung nicht schon rein körperlich durch eine Schwangerschaft entstehen konnte. Doch bereits in jenem Augenblick, in dem ich mein 6 Monate altes Baby zum ersten Mal in meinen Händen hielt, spürte ich dieses Band, das uns bis jetzt so innig verbindet.
Als Melina ein Kleinkind war, dach­te ich immer, ich sollte ihr Äußerungen wie ‚Ganz die Mama!‘ ersparen, und sie habe die große Chance, sich so zu entwickeln, wie es von Grund auf ihrem Wesen entspricht. Natürlich fühlte ich immer wie jede Mutter ganz mit ihr: Ich freute mich mit ihr, wenn sie etwas Schönes erleben konnte, ich weinte mit ihr, wenn der Liebeskummer zu groß war…
Nun ist sie 27 Jahre alt und hat ihr Leben selbst in die Hand genommen – und siehe da: Ich entdecke immer wieder Seiten an ihr, von denen ich mir denke: Ganz die Mama!“

Die Tagesmutter: Kinder fühlen sich geborgen


Lilli Hofbauer aus St. Pölten ist seit 27 Jahren Tagesmutter: „Mir ist wichtig, dass die Kinder, die zu mir kommen, sich geborgen und sicher fühlen, dass sie wissen, sie können sich auf mich verlassen. Ich tue alles für die Kinder, was auch eine Mutter tut, richte mich aber in der Erziehung, z. B. was die Ernährung betrifft, natürlich nach Vorgaben der Eltern.
Die Kinder werden von mir alle gleich behandelt, wie auch meine eigenen Kinder und meine Enkelkinder. Kein Kind soll sich benachteiligt füh­len. Sie sollen das Gefühl haben, in die Familie aufgenommen zu sein.“