Die sonderbaren Wege kirchlicher Kunst in Kirchberg an der Pielach

Der „Kremser Schmidt“ im Belvedere, das Glasfenster in Rheinland-Pfalz, die Dreifaltigkeit vom Bauern, die Pieta, die beinahe dem Holzwurm zum Opfer gefallen wäre, und ein fast vergessenes Fastentuch, gut erhalten in einer Lederhülle auf dem Dachboden entdeckt – Kunstwerke aus der Pfarrkirche haben ihren Weg hinaus in die Welt und wieder in die Kirche gefunden.

Als wir in „Kirche bunt“ Nr. 21 die Dreifaltigkeits-Darstellung aus der Pfarrkirche Kirchberg an der Pielach auf der Titelseite präsentierten und danach mit Pfarrer August Blazic ein kurzes Telefongespräch führten, kam von ihm sofort die Frage: Kennen Sie überhaupt die Geschichte dieses Gnadenstuhls und wie er wieder seinen Weg in die Kirche gefunden hat? Ich wurde neugierig und im Gespräch kamen dann die weiteren „sonderbaren“ Wege verschiedener Kunstexponate der Pfarre zutage.
„Die wertvolle Gnadenstuhldarstellung stammt aus dem Jahr 1770 und dürfte ein Teil des 1892 abgetragenen Dreifaltigkeitsaltars im rechten Seitenschiff der Martinskirche sein“, erzählt der Pfarrchronist Schulrat Josef Scharf beim Besuch in der Pfarre. Sie wurde damals von der Bauersfamilie Kalteis auf der Eben angekauft und fand einen Platz in der Kapelle auf der Eben. Als Pfarrer Blazic 1982 in die Pfarre kam, machte ihn sein Vorgänger auf das Kunstwerk aufmerksam: „Schaun Sie, dass die Dreifaltigkeit nicht wegkommt!“ Ein Antiquitätenhändler hatte sie bereits entdeckt und dem Bauern sofort eine namhafte Summe geboten. Aber auch die Familie Kalteis wollte sich von dem Stück nicht trennen und verwahrte es zur Sicherheit auf dem Dachboden. August Blazic blieb dran und fand eine „salomonische Lösung“. Die Pfarre übernahm die Restaurierung des Gnadenstuhls, die Familie ist weiterhin Besitzer, stellte aber das Kunstwerk der Pfarre als immerwährende Leihgabe zur Verfügung. Seit 1990 ziert sie jetzt die Orgelempore, so als wäre sie immer schon dort gewesen.
Den Weg vom Pielachtal in das Schloss Belvedere machte das Bild „Verherrlichung des heiligen Martin“ aus dem Jahr 1772, gemalt von niemand geringerem als Martin Johann Schmidt, dem berühmten „Kremser Schmidt“. Das 273 mal 145 Zentimeter große Ölbild war bis 1892 Hochaltarbild in der Pfarrkirche und wurde einige Jahre später in die 1897 fertiggestellte Marienkapelle nach Tradigist gebracht. 1903 erfolgte der Verkauf des wertvollen Bildes an die k.k. Gemäldegalerie in Wien. „Mit dem Geld hat man möglicherweise unsere Kirche neugotisch eingerichtet“, vermutet Pfarrer Blazic. Jetzt kann der „Kremser Schmidt“ im Oberen Belvedere in Wien bewundert werden.

Vom Pielachtal nach Darmstadt

Einen noch weiteren Weg ist ein Glasfenster der Kirchberger Pfarrkirche „gegangen“. Es war wieder das Jahr 1892, als man das durch einen Blitzschlag beschädigte Fenster an einen Wiener Kunstsammler verkaufte. Dessen Erben veräußerten es 1938 weiter und so landete es in Darmstadt. Eine Nachbildung des Fensters befindet sich heute in der Martinskirche von Großbundenbach in Rheinland-Pfalz. Das Original ist im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt verwahrt. Erst der Pastor von Großbundenbach interessierte sich nä-her für das Kunstwerk, verfolgte dessen Weg zurück und informierte die Kirchberger über die neue Heimat ihres Fens-ters, das Jesus mit dem Evangelium zeigt. Der deutsche Geistliche lud schließlich 2009 Pfarrer Blazic und SR Scharf in die Bundesrepublik ein. Nach 754 Kilometern konnte die pfarrliche Abordnung das einstige Fenster aus dem Pielachtal an seinem neuen Platz bewundern.

Fastentuch und Pieta

Eine Entrümpelungsaktion auf dem pfarrlichen Dachboden sorgte vor rund zehn Jahren für eine schöne Überraschung. Gut verwahrt in einer Lederhülle kam ein altes 1,8 mal 4 Meter großes Fastentuch zum Vorschein. Es dürfte aus der ausklingenden Barockzeit stammen, vermutet August Blazic, und es war in relativ gutem Zustand. Das Fas-tentuch hat möglicherweise vor 1892 während der Fastenzeit das „Kremser Schmidt“-Bild am Hochaltar verhüllt. Seit dem Auftauchen des Tuchs hängt es jedes Jahr in der vorösterlichen Zeit wieder in der Kirche. Von einer Kapelle zwischen Kirchberg und Schwerbach über die ehemalige Winterkapelle fand die spätgotische Pieta aus der Zeit um 1510 ihren Weg in die Kirche. Der Holzwurm hatte ihr schon stark zugesetzt und aufgrund ihres schlechten Zustands fand sie auch kaum Beachtung. Und so wollte es der Zufall, dass für das St. Pöltner Diözesanjubiläum 1985 Ausstellungsstücke gesucht wurden. Vom Diözesankonservator begutachtet, wurde die Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes schließlich in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes restauriert. Seit 1990 hat die aus Lindenholz geschnitzte Pieta einen würdigen Platz links neben dem Hochaltar gefunden.      F. Bertl