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Die Oblaten-Missionare von Maria Taferl

Eine weitere Exkursion der Philosophisch Theologischen Hochschule St. Pölten im Rahmen des „Jahrs der Orden“ führte Anfang Juni zu den Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria nach Maria Taferl. Sie feiern heuer ihr 200-jähriges Bestehen.

Seit über 45 Jahren sind die Oblatenmissionare in der Wallfahrts- und Pfarrseelsorge in Maria Taferl tätig. Die Seelsorge an Marienwallfahrtsorten gehört seit jeher zu den Aufgaben der Gemeinschaft, die vor 200 Jahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Eugen von Mazenod (1782 – 1861) ins Leben gerufen wurde. Als Sohn einer adeligen  Familie aus Aix en Provence entschied sich der junge Mazenod – nachdem er mit seiner Familie nach Ausbruch der französischen Revolution jahrelang auf der Flucht gewesen war – für das Priestertum und gründete 1816 eine kleine Volksmissionarsgruppe. Sein erklärtes Ziel war es, in seiner Geburtsstadt den Glauben wieder zu stärken. So konzentrierte sich die Arbeit der jungen Gemeinschaft zunächst auf die religiös vernachlässigte Landbevölkerung in Südfrankreich. In seiner Geburtsstadt Aix en Provence predigte Eugen von Mazenod im Dialekt für Dienstmägde und Knechte. Auch an der Wiedererrichtung der Diözese Marseille 1821 wirkte er maßgeblich mit. Von Mazenod selbst wurde dort zunächst Generalvikar und 1837 als Nachfolger seines Onkels Bischof. In dieser Funktion ließ der Ordensgründer zahlreiche Kirche erbauen, darunter die Kathedrale in Marseille, er kümmerte sich besonders um Einwanderer und Fremdarbeiter in der Hafenstadt und gründete u. a. 22 neue Pfarreien und Seminare in seiner Diözese.

Immer öfter wurde an Eugen von Mazenod der Wunsch herangetragen, seine Missionare in andere  Erdteile zu entsenden. Ab 1826 ent­sandte er daher Missionare nach Kanada, nach Ceylon/Sri Lanka, in die USA, nach Südafrika und Mexiko. Heute findet man Oblatenmissionare in auf allen Kontinenten der Erde. Eugen von Mazenod, der 1975 selig- und 1995 heiliggesprochen wurde, wollte das Kreuz in die Welt tragen und Christus verkünden. Sein Wahlspruch „Den Armen die frohe Botschaft zu verkünden, hat mich der Herr gesandt“ ist den Oblaten bis heute Ziel und Herausforderung. So betont auch P. Andreas Petith OMI, Rektor des Oblatenklosters in Maria Taferl: „Unser erstes Anliegen ist es, für die Menschen da zu sein.“ Gemeinsam mit P. Athanasius Wedon OMI, der zudem die Pfarren Artstetten und Pöbring betreut, Pater Bert Ferihumer, Bruder Werner Landgraf und mit Unterstützung von Pfarrer Otto Kössler, der sich im Ort Maria Taferl zur Ruhe gesetzt hat, betreut P. Andreas die Wallfahrtskirche.

Der Grundauftrag: Für die armen Menschen da sein

Zu tun gibt es für die Gemeinschaft mehr als genug. Von Ostern bis in den November hinein pilgern nicht nur zahlreiche Gläubige in den Marien Wallfahrtsort, für viele ist Maria Taferl auch die „Beichtbasilika“, wo sie zur Beichte gehen. Zahlreiche Menschen aus Nah und Fern feiern in Maria Taferl ihre Hochzeit oder lassen ihr Kind dort taufen. So gab es im Vorjahr in der Basilika über 50 Hochzeiten und eine Vielzahl an Taufen.

Das Pfarrleben in Maria Taferl ist lebendig, das zeigt sich auch in den schon über die Grenzen hinaus bekannten und äußerst gut besuchten Familienmessen für junge Familien, die jeweils am ersten Sonntag im Monat gefeiert werden. „Uns ist wichtig, dass wir hier im Sinne unserer Spiritualität wirken können, denn unser Grund­auftrag ist es, für die Armen da zu sein“, sagt P. Andreas. Vieles geschehe dabei im Stillen, denn die Armen wollen nicht genannt werden. Zudem haben die Oblaten in Maria Taferl – sowie auch die Pfarre Artstetten  – im Vorjahr Flüchtlinge aufgenommen, die von ehrenamtlich engagierten MitarbeiterInnen mitbetreut werden.

Bis heute sind die Oblaten Missionare, die den Glauben hinaustragen und offene Türen haben. Das Oblatenkloster bietet viel Platz für Besucher, ob sie nun nur eine Nacht im geschmackvoll renovierten Kloster verbringen oder mehrere Tage dort verweilen wollen. „Die Gäste sind eingeladen, mit uns die Mahl- und Gebetszeiten zu teilen sowie geistliche Be­­gleitung in Anspruch zu nehmen“, sagt P. Andreas. „Wir leben die Mission des offenen Hauses. Uns ist wichtig, dass sich die Menschen hier willkommen fühlen und das Gefühl haben: Da kann ich immer kommen, mich immer aussprechen, da ist immer jemand für mich da.“

Übrigens: Mit einer Sternwallfahrt begehen die zehn österreichischen Oblaten, die zur Mitteleuropäischen Provinz gehören, am 9. Oktober das 200-jährige Bestehen ihres Ordens. Von den Niederlassungen in Wien, in Gmünd und in Steyr werden die Oblaten nach Maria Taferl pilgern. Weltweit ist der Orden in 60 Ländern der Erde mit 500 Mitgliedern vertreten.