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Die Angst vor der Krankheit lindern

Elisabeth Haller, Lea Hofer-Wecer und Bettina Kellner-Hofmann

Dr. Veronika Prüller-Jagenteufel hat ihren demenzkranken Vater die letzten beiden Jahre seines Lebens betreut. Einige Monate wurde sie dabei von Elisabeth Haller, einer Mitarbeiterin der Kompetenzstelle Demenz, unterstützt und begleitet.

Frau Haller kam lächelnd auf unsere Haus­türe zu und sagte als erstes: „Sie haben es aber schön hier!“ Mein Vater konnte damals noch die etwa 100 Meter zum Postkasterl zu Fuß gehen und sich an den grünen Mostviertler Hügeln erfreuen, in die er 28 Jahre davor zusammen mit seiner Frau gezogen war. In den Monaten, die ihm danach noch in diesem Leben beschieden waren, hat Frau Haller, die Demenzberaterin der Caritas, meinen Vater und mich begleitet. Ich war und bin dafür sehr dankbar.

Dass die Beraterin ins Haus kommt, finde ich ideal, denn wer an Demenz erkrankte Angehörige betreut, ist oft sehr ans Haus gebunden und fast genauso wenig mobil wie die, die zu betreuen sind. Zudem lernte Frau Haller durch den Hausbesuch auch gleich meinen Vater kennen und konnte mich gezielt auf seine spezifische Situation hin beraten.

Frau Haller hat manche Übung mit meinem Vater gemacht, ihm einmal die Hände massiert, aber primär – so habe ich es erlebt – hat sie mich beraten und gestützt und das wollte ich auch so. Für mich war sie vor allem als kompetente Gesprächspartnerin ideal. Niemand im Umfeld wusste ja sonst über Demenz wirklich Bescheid – am ehesten noch die Kolleginnen von der mobilen Pflege.

In den Gesprächen mit Frau Haller konnte ich meine Beobachtungen erzählen und meine Fragen stellen. Jetzt, ein dreiviertel Jahr nach dem Tod meines Vaters, kann ich mich noch gut an das Gefühl erinnern, dass diese Gespräche mir die Last leichter gemacht haben, dass ich ermutigt und beruhigt wurde.
Ich bin vom Sinn der Demenzberatung überzeugt, denn es gibt sehr viele, deren Situation in der Begleitung ihrer Ange­hörigen noch viel schwie­riger ist, als es unsere je war. Und es werden immer mehr, die vor der Herausforderung der Betreuung demenzkranker Angehöriger stehen. Es braucht noch sehr, sehr viel Aufklärungsarbeit, was einen hilfreichen Umgang mit den Demenzerkrankten betrifft und es könnte so viel dadurch in konkreten Situationen erleichtert werden – für alle Beteiligten, auch für die Kranken.  Die Demenzberatung hilft, dass bewusst wird, dass jeder Mensch Würde und jedes Leben Sinn hat.

Mein Vater konnte sich bis in seine letzten Stunden noch an diesem oder jenem im Leben freuen: an Besuchen, an gutem Essen, an seinem Hund, am Duschen, am Ruhen im Bett oder Lehnsessel, an der Sonne, den grünen Wiesen und dem blauen Himmel. Neben der großartigen und gütigen Art, mit der mein Vater seine Krankheit getragen hat, und mit vielem anderen zusammen hat mir auch die Demenzberatung geholfen, jeden Tag, den ich bei meinem Vater sein konnte, gerne da zu sein und mir immer wieder zu denken: Schön haben wir es hier miteinander!  Veronika Prüller-Jagenteufel

 

Hilfe bei Demenz

Seit 10 Jahren bietet die Caritas der Diözese St. Pölten mit ihrer Kompetenzstelle Demenz Unterstützung für Betroffene und deren Angehörige und leistet mit Informationsveranstaltungen einen Beitrag zur Aufklärung rund um diese Krankheit.

Das Team. Geleitet wird die Kompetenzstelle Demenz von DGKS Lea Hofer-Wecer. Für das Waldviertel zuständig ist
Demenzberaterin DGKS Bettina Kellner-Hofmann, für das Mostviertel DGKS Elisabeth Haller.

Die Angebote: Beratung vor Ort, Begleitung für Betroffene und Angehörige, Vorträge, Seminare, Workshops, Information und Handlungsanleitung für pflegende Angehörige und interessierte Menschen, Stammtisch für pflegende Angehörige, Gedächtnistraining für Jung und Alt, Gottesdienstgestaltung zum Thema „Das Herz wird nicht dement“.

Kosten: Die Beratungen sind kostenlos (lediglich für Hausbesuche wird um einen Kostenbeitrag gebeten).

Kontakt: Die Kompetenzstelle Demenz ist Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr erreichbar, Tel. 0676/83 844 609.