Interview mit Bischof Schwarz

Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Der Pfarrer i. R. – „in Reichweite“

Propst Josef Kaiserlehner

Seine Sprüche sind legendär, seine Predigten ebenso. „Kirche bunt“ besuchte den pensionierten Pfarrer von Emmersdorf, Propst Josef Kaiserlehner (85), in seinem „Un-Ruhestands“-Domizil in Pömling, wo er im ehemaligen Meierhof des Schlosses Leiben vor fünf Jahren eine neue Bleibe gefunden hat.

Vier Kilometer schlängelt sich die Straße von Emmersdorf hinauf nach Pömling. „Da fühl ich mich wohl, hier heroben – und diese herrliche Aussicht...“, schwärmt der geborene Biberbacher. Er ist zwar jetzt hier zu Hause im kleinen Dorf Pömling, doch sein Terminkalender mit den vielen Aushilfsterminen, die ihn wieder hinaus in die umliegende Region führen, ist randvoll.
Von 1969 bis 2011 war KR Josef Kaiserlehner Pfarrer von Emmersdorf an der Donau und 26 Jahre Dechant des Dekanates Spitz. Dreimal musste er auch für die Pfarre Aggsbach-Markt einspringen. Seit fünf  Jahren ist  sein Nachfolger EKan. Marek Duda Pfarrer in Emmersdorf und Ebersdorf.


„Weißt, wenn du als pensionierter Pfarrer in der Pfarre bleibst, dann sollst vom Turm die Glocken net läuten hörn“, bringt es der 85-Jäh-rige auf den Punkt. Und diesen Abstand hat er sich geschaffen, durch seinen jetzigen Wohnort. Wenn er aber „gerufen“ wird, steht er gern zur Verfügung: „Jeden Freitag um 11 Uhr ist ‚Befehlsausgabe‘ im Pfarrhof.“ Und es vergeht kaum eine Woche, wo es nicht was zu tun gibt für ihn. Er ist Pfarrer i. R. – „in Reichweite“.


Obwohl der in Weistrach groß gewordene Bub damals gern Eisenbahner geworden wäre, wie sein Vater, hat es ihn in den geistlichen Stand verschlagen. „Schuld waren damals die jungen Priester meiner Pfarre.“ Er sei nicht hineingedrängt worden in den Beruf. „Das hab ich so gewollt!“ Den Grundstein aber hätte seine Familie gelegt. „Meine Mutter war eine ganz große Marienverehrerin.“ Auch das habe ihn geprägt, ebenso wie die Förderung durch den früheren Weihbischof Alois Stöger. Vieles hat Josef Kaiserlehner versucht weiterzugeben. Acht junge Theologen sind in Emmersdorf durch „seine Schule“ gegangen. Die „Seelsorge“, wie er betont, sei ihm stets besonders am Herzen gelegen. Jetzt im Ruhestand, wo die viele Verwaltungsarbeit einer Pfarre wegfällt, kann er sich dieser auch als Pensionist noch intensiv widmen.


Die markante Stimme, seine rustikale Art sind ebenso Markenzeichen des rührigen Priesters, wie seine Predigten, mit denen er die Leute fesselt. Zu allererst müsse man sich stets vergewissern: „Wer hört mir zu?“ Dann sei es notwendig, „Aufmerksamkeit wecken“ bei den Zuhörern, verrät er sein Rezept. „Und zu lang darf man auch nicht reden.“
Dass er das alles noch immer exzellent beherrscht, davon zeugen seine vielen Aushilfseinsätze – oft auch in entfernteren Pfarren, wo er sich dann chauffieren lässt. Mit 85 legt er größere Strecken doch lieber als Beifahrer zurück.
Allein über 480 Herz-Jesu-Predigten hat Josef Kaiserlehner schon gehalten, von allen anderen gar nicht zu reden. Jede Predigt hat er auch aufgeschrieben. „Eine alte Predigt habe ich aber nie verwendet, denn der Stoff ist mir nicht ausgegangen.“ Allerdings „wenn man schon zum x-ten Mal über den heiligen Nikolaus oder den Florian predigt, weiß man oft wirklich nicht mehr, was man Neues sagen soll“, so der Feuerwehrkurat.


Als geistlicher Reiseleiter begleitet der rüs-tige Pensionist, vor dem auch das eine oder andere „Wehwehchen“ nicht halt gemacht hat, seit Jahrzehnten reiselustige Frauen und Männer auf fünftägigen Besinnungs- und Urlaubsfahrten im In- und Ausland.
Ein verstecktes Talent des Titularpropstes  von Zwettl ist das Komponieren. Obwohl er in Musik mit der Note „4“ leben musste, spielt Kaiserlehner Klavier und ist ausgebildeter Organist. Einige Fragmente seiner Kompositionen, vor allem für Chöre, lägen noch in der Schublade, wie er im „Kirche bunt“-Gespräch verraten hat. Dementsprechend gab es auch eine Reihe musikalischer Gratulationen zu seinem 85-er, den er heuer feierte, u. a. durch die Trachtenmusikkapelle, den Kirchenchor und den Jugendchor von Emmersdorf.

F. Bertl