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Der „Maler Gottes“ aus dem Tullnerfeld

Ing. August Stanzl. Foto: Ferdinand Bertl

In der Pfarre Sieghartskirchen hat der ehemalige Gartentechniker der Stadt Wien, Ing. August Stanzl, durch sein künstlerisches Talent dafür gesorgt, dass jeden Sonn- und Feiertag die Evangelien in der Kirche nicht nur gelesen, sondern auch bildlich dargestellt und handschriftlich verfasst präsentiert werden können.

Es waren zwei einschneidende Ereignisse im Jahr 2006 – einerseits der frühe Tod seiner Frau und andererseits der Übertritt in den Ruhestand einige Monate später – die
den heute 70-Jährigen Sieghartskirchner veranlasst haben, die „entstandene Lücke“ zu schließen und vor allem seine Trauer zu bewältigen. Er begann mit dem Malen religiöser Motive.
„Das kann ja nicht alles gewesen sein“, war damals einer seiner Gedanken. „Ich wollte mehr über die Religion wissen, hab’ mich mit der Bibel beschäftigt, mit den Evangelien und habe in St. Pölten drei Jahre einen Theologischen Kurs besucht. Das alles hat mir wahnsinnig viel geholfen.“

Den Inhalt des Evangeliums bildlich umsetzen

Oft hat sich der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates nach Gottesdiensten Gedanken gemacht über das Evangelium: „Was war das eigentlich jetzt genau für ein Inhalt? Manchmal hab’ ich mir schwer getan und sicher ist es vielen anderen ähnlich ergangen“, ist er überzeugt. Schon damals reifte die Idee: „Wenn ich den Inhalt des Evangeliums mit einem Bild unterstützen könnte, wäre das wohl eine sinnvolle
Sache.“
Als August Stanzl mit seinem ersten Bild zum Pfarrer gegangen ist und ihm seine Idee, die Evangelien bildlich darzustellen, präsentiert hat, machte
dieser ihm den Vorschlag, ob er sich vorstellen könne, auch die dazugehörigen Texte handschriftlich zu verfassen. Was folgte, war eine „zwangsläufige“ Einübung in Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens. „Und so hab ich begonnen, zu den Bildern auch den Evangeliumstext zu schreiben – am Anfang war es zum Teil ein Horror, besonders wenn sich Fehler eingeschlichen haben“, erinnert sich der Künstler heute. Ständiges Üben wurde schließlich zur Perfektion.
Was ursprünglich mit Trauerbewältigung begonnen hatte, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Tage und Wochen füllenden Aufgabe, die sich vom Advent 2006 über drei Jahre hinzog. Woche für Woche entstanden die passenden Motive zu den jeweiligen Evangelien und die dazugehörigen Texte. Das erste Evangliumbild schuf August Stanzl zum Lesejahr C (Lukas). In den folgenden drei Jahren bebilderte der talentierte Künstler, der auch mehrere Ikonenmalkurse besucht hat, fast vollständig sämtliche Evangelien aller drei Lesejahre der katholischen Kirche und schrieb dazu in kunstvoller Schrift die Evangeliumstexte.
In der Pfarrkirche Sieghartskirchen werden die Kunstwerke seit 2006 jeden Sonn- und Feiertag bei den Got-tesdiensten vor dem Ambo den Mess-besuchern präsentiert.

Anregungen auch aus „Kirche bunt“

Anfangs sei es nicht leicht gewesen, die passenden Motive zu finden, sagt Ing. Stanzl. „Ich war jede Woche intensiv damit beschäftigt: Welchen Abschnitt des Bibeltextes kann ich bildlich umsetzen?“ Seine Bildmotive seien zum Teil typische Ikonenbilder, vielfach habe er sich auch die Kunst alter Meister zum Vorbild genommen „und manche Motive sind im Kopf entstanden“, so Stanzl. Und was uns von der Kirchenzeitung besonders freut: „Bei manchen Motiven habe ich auf ‚Kirche bunt‘ gewartet und mir daraus wertvolle Anregungen geholt.“

„Ohne Beschäftigung kann ich nicht sein“

Beschäftigung ist für den früheren Leiter des Wiener Baumschutzreferates alles. „Ohne Beschäftigung kann ich nicht sein.“ Dazu gehört auch sein zeitaufwändiges Engagement in der Pfarre Sieghartskirchen, sei es als Pfarrgemeinderat, Lektor, Kommunionspender, in der Betreuung von Flüchtlingen, die im alten Pfarrhof untergebracht sind, oder bei der Gestaltung des Pfarrgartens nach biblischen Richtlinien.
Dass eine der Beschäftigungen damals die Malerei mit drei intensiven künstlerischen Jahren wurde, begründet er damit: „Ich wollte etwas tun, das nicht nur mit etwas bringt, sondern das auch anderen was bringt.“ Und das ist August Stanzl mit seinen Werken allemal gelungen. F. Bertl