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„Das Wir ist größer als das Ich“

Mit 1. September folgte Hannes Ziselsberger Mag. Friedrich Schuhböck in der Funktion als neuer Caritasdirektor der Diözese St. Pölten nach. Mit Kirche bunt sprach Ziselsberger über seine Aufgabe und Pläne für die Caritas.

Kirche bunt: Sie sind seit 1. September Direktor der Caritas St. Pölten. Wohin  geht der Weg der Caritas unter Ihrer Leitung?

Hannes Ziselsberger: Ich habe das große Glück, dass ich die Caritas St. Pölten von meinem Vorgänger in einem sehr guten Zustand übernommen habe und wir auf dem Bestehenden gut aufbauen können. Die Caritas ist da, um Menschen in Not beizustehen und das werden wir weiterhin tun.

Kirche bunt: Was ist Ihnen in Ihrer Aufgabe besonders wichtig?

Hannes Ziselsberger: Mir persönlich ist der Kontakt zu den Pfarren und zu den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besonders wichtig. In den letzten Wochen habe ich die Caritas als ungemein lebendige, vielfältige und kompetente Organisation kennengelernt und sowohl mit haupt- wie auch mit ehrenamtlichen Mitarbeitern Kontakt gehabt. Es ist beeindruckend, wie viele Menschen auch in den Pfarren die Arbeit der Caritas unterstützen. Natürlich gab es auch die eine oder andere kritische Sichtweise, doch dafür bin ich dankbar, denn nur durch intensive und gute Diskussionen, in denen sich alle Positionen gehört fühlen, kann ein gemeinsames Wir entstehen. Das meint übrigens auch unsere neue Caritas-Kampagne, die mit dem Slogan Wir ist größer als Ich („Wir>Ich“) zum Ausdruck bringen möchte, dass gemeinsames Handeln uns als Gesellschaft stärkt und für unseren sozialen Zusammenhalt gerade in schwierigen Zeiten wichtig ist. Die Caritas braucht die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren – ohne sie wird es nicht gehen.

Kirche bunt: Vor welchen Herausforderungen steht die Caritas der Diözese St. Pölten heute?

Hannes Ziselsberger: Vor unglaublich vielen.  Eine Herausforderung ist, dass wir Menschen – Gott sei dank – immer älter werden. Aber da braucht es auch vermehrt Angebote – z. B. in der Hospiz- und Demenzarbeit. In beiden Bereichen ist die Caritas der Diözese St. Pölten gut aufgestellt und hier wollen wir weiter ausbauen. In diesen Bereichen sind wir aber noch stark von Spendenmittel abhängig, da es noch keine Regelfinanzierung für Hospiz- oder Demenzangebote gibt. Die Subventionen sind hier nicht kos­tendeckend. Auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen wollen wir zum Beispiel unser Angebot noch vertiefen. Als ganz konkrete Herausforderung der Caritas der Diözese St. Pölten sehe ich auch ein verstärktes Engagement im Bereich der Betreuung und Integration der in Österreich befindlichen Flüchtlinge.

Kirche bunt: Viele Menschen sehen das Engagement der Caritas für Flüchtlinge kritisch. Wird für Flüchtlinge zu viel und für die eigenen hilfsbedürftigen Menschen zu wenig getan?

Hannes Ziselsberger: Nein! Man muss sich vor Augen halten, dass in der Caritas St. Pölten 2170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind, sehr viele davon in der Hauskrankenhilfe oder für Menschen mit Behinderungen, aber nur etwa 15 Mitarbeiter für Flüchtlinge. Die Wahrnehmung diesbezüglich ist jedoch verschoben, weil die Menschen fühlen, dass wir in einer Zeitenwende leben und sich vieles verändert. Da wird der Zuzug von Flüchtlingen von manchen als Bedrohung der bestehenden Ordnung erlebt. Ich bin aber überzeugt, dass es lebensnotwendig ist, diesen Zuzug gut zu integrieren. Ich will meinen vier Kindern eine Welt hinterlassen, in der Menschen miteinander und nicht gegeneinander leben. Und das geht nur, wenn wir ins Gespräch kommen, wenn Gräben überwunden und Ängste abgebaut werden.   

Kirche bunt: Was ist hier konkret geplant?

Hannes Ziselsberger: Im Flüchtlingsbereich werden wir dort helfen, wo es schon bestehende Wohnungen für Flüchtlinge gibt, wo in Pfarren schon Flüchtlinge begleitet werden. Wir wollen aber auch weiterhin die ehrenamtlichen Bemühungen unterstützen. Denn Integration braucht konkrete Beziehungsangebote und Begegnungen. Das können nur viele Menschen gemeinsam schaffen. Damit wollen wir in diesem Bereich beitragen, in eine gute Zukunft zu gehen. Sop