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Das Licht kommt in die Welt

Foto: Wolfgang Zarl

Wie aus den Heiligen Drei Königen die Sternsinger geworden sind – und aus einer alten Legende eine fantastische Hilfsaktion von Kindern für Kinder.

In  den Tagen um Dreikönig ziehen die „Sternsinger“ von Haus zu Haus, über verschneite Felder und durch stille Dörfer. Doch der romantische Brauch täuscht. Denn an Epiphanie, „Erscheinung des Herrn“, wie das Fest im kirchlichen Kalender heißt, geht es gar nicht so sehr um den Auftritt der Könige (oder Weisen oder Sterndeuter, je nach Auslegung) aus dem Morgenland. Sie geben in den biblischen Erzählungen ja lediglich liebenswerte Randfiguren ab.

Nur Matthäus berichtet von den weisen Männern

In den ersten christlichen Jahrhunderten war der 6. Januar vielmehr das Weihnachtsdatum im Osten, und auch im Westen blieb Epiphanie als zweiter Höhepunkt der weihnachtlichen Festzeit erhalten. Die Christen feiern an diesem Tag den Aufgang des Lichtes, das keinen Untergang kennt, den Einzug des Gottkönigs in die Welt, das Offenbarwerden seiner Herrlichkeit. „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes“, freuen sie sich.
Von den weisen Männern, die dem Mensch gewordenen Gott im Stall von Betlehem ihre Verehrung erwiesen haben, weiß nur der Evangelist Matthäus – ohne Angaben über ihre Zahl oder ihre Herkunftsländer zu machen. Die spätere Tradition hat die Geschichte ausgeschmückt und die Weisen zu morgenländischen Königen befördert.

Drei Könige wurden zum Symbol der Weltvölker

Als der Kanzler Friedrich Barbarossas die Gebeine der legendären Herrscher 1164 aus Mailand nach Köln brachte – ein kleiner Sieg im Streit zwischen Kaiser und Papst –, entwickelte sich dort bald ein intensiver Kult, der sich im ganzen Deutschen Reich verbreitete. Die drei Könige wurden zu Symbolen der Weltvölker, der dritte hatte von nun an ein Farbiger zu sein. Vornamen wie Kaspar oder Balthasar, vor gar nicht so langer Zeit noch recht beliebt, und Wirtshausschilder „Zum Mohren“, „Zum Stern“, „Zur Krone“ an einst stark frequentierten Straßen lassen noch etwas von der alten Verehrung ahnen.

Nicht bloß als frommen Wunsch, sondern als wirkmächtige heilige Zeichen interpretierte man von Anfang an die vermeintlichen Initialen CMB der Männer mit den geheimnisvollen Namen Caspar („Schatzträger“), Melchior („König des Lichts“) und Balthasar („Gottesschutz“), die man am Abend vor Epiphanie mit geweihter Kreide oben an die Türstöcke der Wohnungen und Ställe schreibt, damit nichts Böses über die Schwelle treten kann. Die Initialen können freilich auch als Abkürzung für die Schutzformel „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) gedeutet werden.

Wie ein Abbild des pilgernden Gottesvolkes stapfen sie durch das Land, die Sternsinger, in weiße Betttücher oder farbenprächtige Gewänder gekleidet, Kronen aus Goldpapier auf dem Kopf, voran der lange Stab mit dem goldenen Stern. Die Gruppe hat eine uralte Tradition. Sie erinnert an die mittelalterlichen Dreikönigsspiele: dramatische Darstellungen des weihnachtlichen Geschehens, die in Kirchen und Klöstern aufgeführt wurden, als es noch kaum Bücher und wenige des Lesens kundige Leute gab.
Heute hat der alte Brauch einen guten neuen Sinn erhalten. Über die Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar sind ab dem Christtag bis zum Dreikönigstag am 6. Jänner in der Diözese St. Pölten rund 12.500 Sternsinger als Caspar, Melchior und Balthasar  unterwegs und bringen die weihnachtliche Friedensbotschaft und Segenswünsche für das neue Jahr. Man freut sich, wenn sie vor der Tür stehen. Weiß man doch, dass die gesammelten Spenden jährlich über einer Million Menschen in den Armutsregionen unserer Welt zu einem besseren Leben verhelfen. (Mehr zur Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar auf den Seiten 18 und 19 dieser Ausgabe.)
Mit den in Österreich jedes Jahr gesammelten Spenden in Höhe von mehreren Millionen Euro werden unter anderem Ernährungsprogramme, ärztliche Versorgung, Hilfsprojekte für Straßen- und Flüchtlingskinder, Fördereinrichtungen für behinderte Kinder und Jugendliche und natürlich seelsorgliche Aufgaben finanziert. Es ist die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Christian Feldmann/Red.

Der Stern von Betlehem

Meist wird der Stern, der laut dem Evangelisten Matthäus den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe gewiesen haben soll, als schöner Komet mit glänzendem Schweif dargestellt. Dazu passt, dass viele frühe Astronomen im Weihnachtsstern den Kometen Halley vermuteten. Doch diese Theorie gilt inzwischen als widerlegt: Denn der Halleysche Komet wird zwar etwa alle 76 Jahre sichtbar. Doch zum vermuteten Zeitpunkt der Geburt Jesu passt dieser Rythmus nicht.

Der Astronom Johannes Kepler (1571 bis 1630) brachte  als erster eine andere Lösung zur Sprache. Unterstützt wird seine Theorie auch durch einige kleine Tontafeln – 2.000 Jahre alte Aufzeichnungen babylonischer Astronomen. Kepler jedenfalls vermutete eine spektakuläre Planetenkonstellation am Himmel als Ursprung für die biblische Erzählung: die aus der Perspektive der Erde beinahe vollzogene Begegnung der beiden Planeten Jupiter und Saturn am Himmel –  so nahe, dass die beiden hellen Sterne fast zu einem Lichtpunkt verschmolzen.
Diese Konjunktionen sind äußerst selten; aber sie wurden tatsächlich von babylonischen Astronomen vorausberechnet und beobachtet. Kepler berechnete das Jahr 7 vor Christus für das spektakuläre Ereignis. Dazu gibt es auch eine plausible mythologische Erklärung: Denn Saturn war das Symbol für Israel, und mit dem Jupiter war symbolisiert, dass ein neuer König geboren wurde. Und eben dieser Saturn stand auch noch im Sternbild Fische, dem symbolischen Ort des Landes Israel. Für die babylonischen Astronomen war also klar: In Israel ist ein neuer König geboren.

Allerdings – so vermuten manche Astronomen heute  – kann es natürlich auch sein, dass der Evangelist Matthäus ganz bewusst die Himmelserscheinungen mit der Geburt Jesu vermischt hat, als er viele Jahre später sein Evangelium schrieb: Ohne genau darauf zu achten, ob beide Ereignisse wirklich zur gleichen Zeit stattgefunden haben, könnte Matthäus die astronomischen Vorkommnisse möglicherweise als „Stilmittel“ genommen haben, um die Geburt Christi in einem „besonderen Licht“ zu zeigen. Ob es es nun so oder so war, für wirklich gläubige Menschen spielt das heute bestimmt keine Rolle. Sop