Das Beste für die Seele

Brigitta Ibalegbe ist seit rund zehn Jahren als Leih-Oma im Einsatz. Sie betreut manchmal ganz junge, manchmal ältere Kinder und übernimmt verschiedene Aufgaben in der Kinderbetreuung. Eine begeisterte Leih-Oma erzählt.

Beide Töchter der St. Pöltnerin leben in einiger Entfernung: Eine Tochter lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien, die andere im Ausland. Der Kontakt zwischen Großmutter und Enkelkindern ist sehr gut, aber auch beeinflusst durch die Entfernung.

Brigitta Ibalegbe war gerade in Pension gegangen und suchte nach einer sinnvollen Beschäftigung. Als sich die in der Nähe von Wien lebende Tochter eine Leih-Oma für ihre beiden Söhne suchte, gab sie der eigenen Mutter den Tipp: „Mama, probier’s doch einmal als Leih-Oma!“ Dieser Tipp kam gerade zur rechten Zeit. Gesagt – getan! „Warum tust du dir das jetzt in der Pension an?“, haben sie Freunde gefragt. Ihre Antwort: „Das Beste für die Seele – das ist doch ein Kind!“

Seit rund zehn Jahren ist die Pensionis­tin nun schon als Leih-Oma im Einsatz. „Die Familien waren so lieb“, erzählt sie begeis­tert. Mit einer Familie sei sie sogar nach wie vor in Kontakt, nachdem diese vor einigen Jahren nach Graz zog. Den Sohn habe sie schon als Baby betreut und sechs Jahre lang heranwachsen sehen. Das verbindet. „Ich bin mir fast wie seine richtige Oma vorgekommen!“

Gefreut hat sich die Leih-Oma über die breite Akzeptanz, die sie in den Familien erlebt hat. Sie ist schon zu Geburtstags- und Hochzeitsfeiern eingeladen worden, bei denen auch die richtigen Großeltern gewesen seien, und herzlich – „fast wie ein Familienmitglied!“ – aufgenommen worden.

Zurzeit betreut Brigitta Ibalegbe die zweijährige Emma sowie drei ältere Kinder – 7, 9 und 11 Jahre alt – einer anderen Familie. Ihre Aufgaben sind immer verschieden: Es kommt vor, dass die Eltern am Abend ausgehen wollen, dann bleibt die Leihoma bei den Kindern. „Es ist auch schon einmal zwei Uhr in der Nacht geworden“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Eine andere Aufgabe besteht darin, die Kinder von der Schule abzuholen und sie danach bei ihnen zuhause zu betreuen.

Wichtig ist der Leih-Oma, dass sie sich mit den Kindern beschäftigt, mit ihnen malt, bastelt, spielt und spazieren geht. Es sei manchmal gar nicht so einfach, sie vom Computer oder Fernseher wegzulocken. Der Kontakt mit den Kindern macht ihr sichtlich Freude, denn: „Jedes Kind ist anders, und das ist schön!“

Wer bucht eigentlich eine Leih-Oma? Eigene Groß­eltern seien in diesen Familien entweder schon gestorben, erzählt Brigitta Ibalegbe, oder wohnten weiter weg, etwa in anderen Bundesländern. Einige Familien, bei denen sie schon tätig war, seien zum Arbeiten in die Landeshauptstadt gezogen und hätten daher die Großeltern nicht vor Ort.
Leih-Omas bzw. Leih-Opas kommen ins Haus, was vor allem bei jungen Kindern ein Vorteil ist, und können auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder wie auch auf die Erfordernisse der jeweiligen Familie –  meistens flexibel ­– eingehen. Eine Entschädigung wird mit den Familien individuell vereinbart, sagt Eva Lasslesberger vom Katholischen Familienverband, der einen „Omadienst“ anbietet. Patricia Harant