CARE-Pakete – Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg

Kinder bestaunen den Inhalt eines CARE-Pakets

Nach dem Kriegsende 1945 waren Not und Elend in Österreich und ganz Europa groß. Vor allem der Hungerwinter 1945/46 forderte zahrleiche Menschenleben. Angesichts der drohenden Katastrophe riefen christliche und jüdische Organisatonen in den USA die CARE-Aktion ins Leben. Am 19. Juli 1946 trafen in Österreich die ersten CARE-Pakete ein.

Fleisch, Speck, Margarine, Schweineschmalz, Zucker, pulverisierte Eier, Vollmilch- und Kakao-Pulver, Kaffee, aber auch Seife oder Schokolade – das alles und mehr lag in einem CARE-Paket, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter der Not leidenden Bevölkerung in Europa verteilt wurde.  Heuer begeht die internationale Hilfsorganisation CARE, die hinter dieser Paket-Verteilungsaktion von damals stand, in Österreich ihr 70-jähriges Bestandsjubiläum.

Anfangs wurden die Pakete „Liebesgaben“ genannt

Am 25. Juli 1946 übergab US-General Clark die ersten zehn CARE-Pakete, die US-Präsident Truman symbolisch an das österreichische Volk gespendet hatte, an Bundespräsident Karl Renner. Anfänglich wurden die als „Liebesgaben“ bekannten CARE-Pakete nur an Einzelpersonen verteilt, die Bekannte in Übersee hatten. Doch schon bald trafen aber auch so genannte „general relief“-Pakete in Österreich ein. Die Pakete wurden vom Bundesministerium für soziale Verwaltung an Altersheime, Krankenhäuser, Schulen und Familien in ganz Österreich verteilt – nämlich unabhängig von der jeweiligen Besatzungszone. In den Hauptstädten waren dafür Verteilerzentren eingerichtet, im ländlichen Bereich dienten mitunter auch Pfarren als „Verteilerstellen“ für die Pakete.

„Das war wie Weihnachten“

So mancher Zeitzeuge weiß heute noch über die bereitgestellten CARE-Pakete zu erzählen. Wie Hans Kopitz, 74 Jahre, aus Herzogenburg: „Ich kann mich an die Pakete gut erinnern, denn nach dem Krieg hat es fast nichts gegeben. Ich war  drei, vier Jahre alt und wir lebten damals in Zwentendorf, als wir das erste CARE-Paket erhielten. Was alles drinnen war, weiß ich nicht mehr genau. Aber ich erinnere mich genau, dass Kakao dabei war – den kannte ich nämlich gar nicht. Das war schon etwas ganz Besonderes. Die Leute haben damals nichts gehabt und wir alle waren dankbar und froh, dass wir das bekommen haben. Das war wie Weihnachten. Manchmal denke ich mir schon: Heute weiß man das oft nicht zu schätzen, dass man in einem Land leben darf, in dem Frieden herrscht und in dem es etwas zu essen gibt.“

Auch Adolf Mim­ler aus St. Pölten erinnert sich: „Ich war damals so elf oder zwölf Jahre alt, da haben wir ein CARE-Paket bekommen. Gut erinnern kann ich mich an das Zahnpflegemittel – das war keine Zahncreme, sondern ein Zahnpulver, das war schon etwas Außergewöhnliches. Ob wir später auch noch ein Paket bekommen haben, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.“

Fritz Vesely, der heute in Wien lebt und 1946 fünfeinhalb Jahre alt war, erzählt: „Das Ausräumen des unansehnlich wirkenden Pappkartons gestaltete sich zu einem Freudenfest für Mama, meinen Bruder und mich. Freilich waren es nicht allein die 40.000 Kalorien hochwertiger Lebensmittel, die der ansonsten leeren Küchenkredenz plötzlich einen Sinn gaben. In dem Paket schien jeder freie Zwischenraum mit Kleinigkeiten, die gar nicht so sehr vor dem Verhungern schützen sollten, sondern einfach nur Freude bereiteten, ausgenutzt worden zu sein. Da steckten Kaugummipakete und Brausepulversacklerln zwischen Corned-Beef und Gries. Ich weiß nicht, ob wir nur dieses eine Paket bekommen haben oder ob noch weitere folgten. Aber die Freude von damals ist kaum zu beschreiben.“

Erich Stumvoll, 79, erinnert sich mit Wehmut an das Care-Paket. „Es waren neben Dosenmilch und einem Krautfleisch mit Rosinen auch ein Paar Schuhe drin.“ Für Erich allerdings viel zu groß. Trotzdem spielte er damit mit Freunden an der Donaukanal-Lände in Wien Fußball. Ein Schuh landete im Wasser und tauchte nicht mehr wieder auf. Rudolf Bartonek, 72, erinnert sich an die braun-gelbe Kaffeedose, die seine Mutter noch viele Jahre in Verwendung hatte, und an den schmackhaften Ches­ter-Käse, dessen Aroma er heute noch erkennen würde.

Päpstlicher Segen

Zwischen 1946 und 1960 wurden in Europa 100 Millionen CARE-Pakete verteilt. Allein nach Österreich wurden bis 1955 über eine Million solcher Pakete geschickt. Dafür gab es Lob und Dank: So erteilte Papst Pius XII. der CARE-Aktion am 20. Dezember 1946 seinen päpstlichen Segen und Major Columba P. Murray, der 1946 Leiter von CARE in Österreich war, erhielt vom Vatikan für seine Verdienste das Ritterkreuz des St. Georgs-Ordens.  Aus Dankbarkeit nominierte der österreichische Ministerrat auf Vorschlag von Bundeskanzler Leopold Figl CARE im Jahr 1949 für den Friedensnobelpreis. Sonja Planitzer

 

Die CARE-Initiative: Hilfe früher und heute…

Gründung: Am 27. November 1945 gründeten 22 christliche und jüdische Hilfsorganisationen in den USA die Initiative CARE, die Hilfsaktionen für die Hunger leidenden Menschen in Europa koordinieren sollte. An der Initiative beteiligte sich auch die US-Armee und stellte aus ihren Depots 2,8 Millionen überflüssig gewordene Armeerationspakete für die ersten Lebensmittellieferungen nach Europa zur Verfügung.  

Startschuss: Nachdem am 3. Juni der Vertrag zwischen CARE und Österreich abgeschlossen worden war, wurden bereits einen Monat später die ersten CARE-Pakete an die österreichische Bevölkerung verteilt. Über den Hafen in Antwerpen wurden die Pakete über Buchs mit der Eisenbahn nach Wien gebracht, wo sie am 19. Juli 1946 am Wiener Franz-Josephs-Bahnhof ankamen.

Hilfe mit neuen Paketen: Im März 1947, als die Bestände der US-Armee verbraucht waren, begann CARE Pakete zu verschicken, deren Inhalt die Organisation selbst zusammengestellt und verpackt hatte. Diese waren stärker auf den Bedarf von Familien abgestimmt. Wegen der hohen Nachfrage musste mehr Personal eingestellt werden. Wien wurde das  CARE-Hauptquartier für Europa.

Hilfe zur Selbsthilfe: 1949 wurde eine neue Philosophie begründet: Hilfe zur Selbsthilfe. CARE startete das Buchprogramm „Nahrung für den Geist“. Bis 1956 wurden Bücher im Millionenwert verteilt. Darunter auch Medizinbücher für Universitäten. Darüber hinaus wurden an Krankenhäuser, Erziehungs- und Erholungsheime Spielsachen versendet.

Das letzte CARE-Paket für Österreich: Die letzte große Hilfsaktion in Österreich leistete CARE 1954 als Katastrophenhilfe nach dem Donau-Hochwasser. In Korneuburg, Tulln, Krems, Melk und Linz wurden Lebensmittel und Decken verteilt. Am 30. Juni 1955 beendete die CARE-Mission Österreich ihre Arbeit.

Das Resümee: Bis 1955 wurden über eine Million CARE-Pakete im Wert von 9,9 Millionen US-Dollar nach Österreich geschickt. Durchschnittlich hat jeder siebente Österreicher ein CARE-Paket erhalten.

CARE Heute: CARE ist in über 40 Kriegs- und Krisengebieten weltweit tätig und stellt dort  Nahrungsmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel oder auch Bargeld zur Verfügung. 1986 wurde CARE Österreich gegründet.