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Adrian Zach – ein außergewöhnlicher Abt

Adrian Zach

Wie kaum ein anderer Abt hat Adrian Lambert Zach (1845 – 1916) Spuren seines Wirkens in Geras und weit darüber hinaus hinterlassen. Zum 100. Todestag widmet das Stift diesem außergewöhnlichen Kirchenmann eine Sonderausstellung im Säulengang des Stiftes.

Er war Abt und Politiker, er gründete den Imkerverein Geras, den Obstbauverein in Walkenstein, er rief im Schloss Walkenstein eine florierende Kaltwasseranstalt ins Leben und tat vieles andere mehr. Adrian Lambert Zach, der vor 100 Jahren am 4. April 1916 in Geras starb, war nicht nur ein frommer Kirchenmann, sondern vor allem ein gebildeter Geistlicher – voll Ideen, Energie, Mut, Klugheit und mit einem Herzen für die armen Menschen seiner Zeit. Lambert Zach wird nur wenige Jahre vor dem Revolutionsjahr 1848 am 14. September 1845 geboren – als Sohn des Landwirts Johann Zach in Stallek bei Znaim in Südmähren.  Seine Familie prägt Lambert Zach für sein Leben: Die Eltern sind fleißige und fromme Bauersleute. Adrian Zach wird nicht nur selber ein frommer Mann, sondern bleibt Zeit seines Lebens dem bäuerlichen Wesen eng verbunden. Auch als Abt und Abgeordneter wird er sich später für die Landwirtschaft einsetzen.  Nach der Volksschule in Stallek  wechselt Lambert Zach an das Staatsgymnasium in Znaim. Noch vor seiner Matura meldet er sich freiwillig ein Jahr zum Militär und macht als Kadett im 71. Infantrie-Regiment den Feldzug gegen Italien mit.  Nach dem Krieg beendet Lambert in Krems das Gymnasium mit Matura und beginnt in Brünn mit dem Theologiestudium. In dieser Zeit tritt er in den Prämonstratenser-Orden in Geras ein und erhält den Ordensnamen Adrian. Sein Studium beendet er in St. Pölten, wo Adrian im Mai 1873 zum Pries­ter geweiht wird. Im September des selben Jahres legt er auch die „Ewigen Gelübde“ ab und wirkt bis 1879 im Stift als Kurat, Sakristeidirektor und Waldmeister.

Es folgen segensreiche Jahre, in denen Adrian Zach als Pfarrer in Göpfritz und Nondorf an der Wild und als Pfarrverweser in Kirchberg vieles erneuern und verbessern lässt.
Kein Wunder also, dass – als 1888 Abt Julius Plch stirbt – die Wahl auf Adrian, den damals 43-jährigen Ordensmann, fällt. Er wird zum 50. Abt von Geras gewählt. Wie gut die Herren von Geras ihn einschätzten, zeigt ein Eintrag eines Wählers damals in das Pfarrgedenkbuch: „Der neue Prälat ist ein talentierter, energischer Mann und kann infolge seiner Fähigkeiten das Wohl des Stiftes kräftig fördern.“

Viele Aufgaben und Herausforderungen

Das Wohl des Stiftes förderte Abt Adrian voll. Und nicht nur das. Viele Aufgaben warteten auf ihn. Damals hatte das Stift für die Ausbildung und den Erhalt von fast 30 Seelsorgern aufzukommen, für 18 Kirchen und 16 Pfarrhöfe. Seine Tatkraft wendet Adrian zunächst dafür auf, das Stiftsvermögen gut und gewinnbringend zu verwalten: Anstatt der Dreifelderwirtschaft führt er die Fruchtwechselwirtschaft ein, er wandelt die Hutweiden in Äcker um, lässt große Flächen durch Drainagierung entwässern, daneben gründet er den Bienenzuchtverein in Geras oder ist u. a. dabei, als die Raiffeisenkasse und der christlich-soziale Verein in Geras ins Leben gerufen werden. Darüber hinaus ist er politisch tätig: Zuerst als Mitglied des Gemeindeausschusses in Geras und später von 1907 bis 1910 als Abgeordneter des Reichsrates.
Ein besonderes Anliegen sind ihm vor allem die Menschen in der Region. Er unternimmt vieles, um ihr oft hartes Leben zu erleichtern und zu verbessern. So lässt er das damals zum Stift gehörende Gut Walkenstein nahe Sigmundsherberg sanieren und errichtet dort 1890 eine Kur- und Wasserheilanstalt – die besonders ansässigen Menschen zugute kommt; er lässt in Geras ein Wasserleitungssystem errichten oder setzt sich dafür ein, dass die Bahnverbindung zwischen Retz und Drosendorf gebaut wird. Kein Wunder also, dass die Anteilnahme der Bevölkerung groß ist, als Abt Adrian am 8. April 1916 zu Grabe getragen wird. „Seine rastlose Tätigkeit für das ihm anvertraute Stift, sein uneigennütziges Wirken für das Wohl des Volkes wird ihm ein dankbares Andenken sichern“, schrieb damals Aemilian Greisl, Pfarrverweser in Pernegg, in der „Eggenburger Zeitung“. Ein Andenken, das bis heute in Geras bewahrt wird. Sonja Planitzer